Afrika startet Ressourcendiplomatie – auch im Bereich Seltener Erden
Afrika, reich an wichtigen Mineralien wie Seltenen Erden, hat eine neue Form der Ressourcendiplomatie ins Leben gerufen. Es geht nicht mehr nur um den Export der geförderten Mineralien, sondern vielmehr darum, ausländische Investitionen anzuziehen und die Wertschöpfung durch lokale Verarbeitung zu steigern. Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Ländern und Afrika bietet die Chance, Chinas Monopol auf dem Rohstoffmarkt zu brechen.
In Namibia, einem Land im Südwesten Afrikas mit der riesigen Namib-Wüste, schlummern die Seltenen Erden Dysprosium und Terbium. Japan und Namibia führen gemeinsame Erkundungen durch, um festzustellen, ob es große Vorkommen gibt.
Namibia verbietet den Export von unverarbeiteten Seltenen Erden, Lithium und Kobalt. Ziel ist es, Anlagen zur Mineralverarbeitung und -raffination ins Land zu holen und so lokale Arbeitsplätze zu schaffen. Die namibische Ministerin für Internationale Beziehungen und Handel, Selma Asipala-Mousavii, erklärte: „Wir hoffen, für beide Seiten vorteilhafte Wirtschaftsbeziehungen aufzubauen und die gemeinsame Mineralienentwicklung zu fördern.“
Die globale Lieferkette für Seltene Erden wird von China dominiert. China ist nicht nur für rund 60 % der weltweiten Rohstoffproduktion verantwortlich, sondern importiert auch aus anderen Förderländern und stärkt so seine Marktführerschaft durch heimische Verarbeitung und Raffination. Statistiken der Internationalen Energieagentur (IEA) zeigen, dass China einen Anteil von 91 % am Raffinationsprozess hält.
Chinas Marktführerschaft erstreckt sich auch auf andere wichtige Mineralien. Rund 75 % des in Lithium-Ionen-Batterien verwendeten Kobalts werden in der Demokratischen Republik Kongo abgebaut, wobei 99 % unverarbeitet nach China verschifft werden. Im Raffinationsprozess hält China fast 80 % des Weltmarktanteils.
Afrika verfügt über reichhaltige Mineralvorkommen. Neben Namibia besitzen beispielsweise auch Tansania und Madagaskar Vorkommen an Seltenen Erden. Tantal, ein essenzieller Rohstoff für die Luft- und Raumfahrtindustrie sowie die Verteidigungsindustrie, befindet sich größtenteils in China, wird aber auch im Kongo und in Nigeria gefördert. Der afrikanische Kontinent besitzt zudem 38 % der weltweiten Mangan- und 25 % der natürlichen Graphitvorkommen.
Da Afrika während der Kolonialzeit Rohstofflieferant war, hat es seine ursprüngliche Wirtschaftsstruktur beibehalten, wobei die Rohstoffgewinnung weiterhin größtenteils von China und Europa kontrolliert wird. Analysen der Boston University zeigen, dass fast 90 % der afrikanischen Exporte nach China aus Mineralien, Öl und Gas stammen.
Beim Gipfeltreffen der Afrikanischen Union und der EU im November 2025 wurde die Unzufriedenheit Afrikas deutlich. Angesichts der Forderungen der EU nach Zugang zu wichtigen Mineralien verlangt Afrika nicht nur den Transport von Rohmaterialien, sondern auch die Diversifizierung seiner lokalen Wirtschaft und die Modernisierung seiner Industrie. Die EU sah sich gezwungen, Unterstützung für die lokale Mineralienverarbeitung zuzusagen.
Auch die Verfügbarkeit von Abbaugebieten für wichtige Mineralien wie Seltene Erden ist begrenzt. Daher kann China, das diese Mineralien durch Verarbeitung und Raffination kontrolliert, Exportkontrollen als Druckmittel einsetzen. Am 24. Februar verbot die chinesische Regierung den Export von Gütern mit doppeltem Verwendungszweck, darunter Seltene Erden, nach Japan.
Afrikas Bestrebungen nach gemeinsamer Entwicklung und lokaler Mineralienverarbeitung könnten auch für Industrieländer wie Japan, die USA und die EU einen Durchbruch im Kampf gegen Chinas Monopol bedeuten. Naoki Goto, Leiter der Niederlassung der Japan Bank for International Cooperation (JBIC) in London, erklärte: „Die Nutzung von Ressourcen zur Erzielung von Wirtschaftswachstum, industrieller Modernisierung und Schaffung von Arbeitsplätzen ist ein lang gehegter Wunsch Afrikas.“
Die Nachfrage nach wichtigen Mineralien für die Produktion von Elektrofahrzeugen, Windkraftanlagen und Smartphones wird künftig ebenfalls steigen. Aus wirtschaftlicher Sicht gewinnt die gemeinsame Unterstützung der japanischen Regierung und des Privatsektors für die Verarbeitung und Raffination in Afrika zunehmend an Bedeutung, um die Sicherung dieser wichtigen Mineralressourcen zu gewährleisten.