{"id":1215,"date":"2026-06-24T02:30:16","date_gmt":"2026-06-24T00:30:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ibnews.com\/de\/?p=1215"},"modified":"2026-06-24T02:30:16","modified_gmt":"2026-06-24T00:30:16","slug":"deutschland-koennte-groesstes-kriegsschiffprojekt-seiner-nachkriegsgeschichte-aufgeben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ibnews.com\/de\/2026\/06\/24\/deutschland-koennte-groesstes-kriegsschiffprojekt-seiner-nachkriegsgeschichte-aufgeben\/","title":{"rendered":"Deutschland k\u00f6nnte gr\u00f6\u00dftes Kriegsschiffprojekt seiner Nachkriegsgeschichte aufgeben"},"content":{"rendered":"<h2>Fregattenprojekt F126 steht vor dem Aus<\/h2>\n<p><strong>Berlin.<\/strong> Die Bundesregierung plant offenbar, ein 12,8 Milliarden Euro schweres Kriegsschiffprojekt zu stoppen. Das berichten der <em>Spiegel<\/em> und die britische <em>Financial Times<\/em>. Urspr\u00fcnglich sollten im Rahmen des Vorhabens sechs Fregatten der Klasse F126 gebaut werden &#8211; die gr\u00f6\u00dften Kriegsschiffe der deutschen Marine seit dem Zweiten Weltkrieg. Nun droht das Projekt zu einem der schwersten R\u00fcckschl\u00e4ge in der deutschen R\u00fcstungsbeschaffung der vergangenen Jahre zu werden.<\/p>\n<p>Nach Angaben von zwei mit der Angelegenheit vertrauten Personen informierten Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und weitere hochrangige Regierungsvertreter am 23. Juni Branchenvertreter und f\u00fchrende Abgeordnete \u00fcber die geplante Entscheidung. Demnach sollen die sechs urspr\u00fcnglich vorgesehenen Fregatten der Klasse F126 gestrichen werden. Stattdessen will Berlin offenbar acht kleinere Fregatten des Typs Meko A-200 beschaffen, die vom deutschen Hersteller Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) geliefert werden sollen.<\/p>\n<h2>Ein Projekt in der Dauerkrise<\/h2>\n<p>Das Fregattenprojekt F126 wurde 2020 gestartet. Der Auftrag sah vor, dass die niederl\u00e4ndische Werft Damen Naval sechs Mehrzweckfregatten einer neuen Generation baut. Das erste Schiff sollte urspr\u00fcnglich 2028 ausgeliefert werden. Seit Projektbeginn h\u00e4uften sich jedoch die Probleme. Nach Angaben des <em>Spiegel<\/em> geriet das Vorhaben wegen massiver Verz\u00f6gerungen und drohender Vertragsk\u00fcndigungen mehrfach in eine Krise.<\/p>\n<p>Zu den konkreten Schwierigkeiten z\u00e4hlen Probleme mit CAD- und PLM-Softwaresystemen, die den Zeitplan verz\u00f6gerten, mangelnde Abstimmung zwischen den beteiligten Auftragnehmern sowie stetig steigende Kosten. Weil bestimmte Bauabschnitte nicht fristgerecht abgeschlossen wurden, setzte das Bundesverteidigungsministerium zeitweise Zahlungen aus. Bislang sind bereits mehr als zwei Milliarden Euro in das Projekt geflossen.<\/p>\n<p>Um das Vorhaben doch noch zu retten, hatte der deutsche R\u00fcstungskonzern Rheinmetall angeboten, als neuer Generalunternehmer einzusteigen und die verbleibenden Arbeiten f\u00fcr knapp 13 Milliarden Euro abzuschlie\u00dfen. Pistorius entschied sich Berichten zufolge dennoch daf\u00fcr, das Projekt zu beenden.<\/p>\n<h2>Wechsel zu einer kleineren und g\u00fcnstigeren Alternative<\/h2>\n<p>Nach dem neuen Plan soll die Bundeswehr acht Fregatten des Typs Meko A-200 beschaffen. Bereits im M\u00e4rz hatte der Haushaltsausschuss des Bundestags 240 Millionen Euro f\u00fcr den Kauf von vier Meko-Fregatten als \u00dcbergangsl\u00f6sung bewilligt. Die nun geplante Ausweitung auf acht Schiffe markiert eine deutliche Kurs\u00e4nderung in der Beschaffungsstrategie der Marine.<\/p>\n<p>Der Bundestag hatte zuvor Mittel in H\u00f6he von rund 7,8 Milliarden Euro f\u00fcr ein alternatives Schiffbauprojekt freigegeben. Im Bundeshaushalt 2026 und im Sonderverm\u00f6gen Bundeswehr wurden daf\u00fcr bereits entsprechende Anpassungen vorgenommen. Demnach k\u00f6nnen 2026 aus dem Sonderverm\u00f6gen 724,7 Millionen Euro f\u00fcr eine Ersatzplattform bereitgestellt werden, 2027 weitere 878,2 Millionen Euro. Ab 2028 soll die Finanzierung aus dem regul\u00e4ren Haushalt erfolgen. Bis 2033 sind daf\u00fcr Ausgaben von rund 6,2 Milliarden Euro vorgesehen.<\/p>\n<h2>Schwerer Schlag f\u00fcr die R\u00fcstungsindustrie<\/h2>\n<p>F\u00fcr Rheinmetall w\u00e4re die Entscheidung ein empfindlicher R\u00fcckschlag. Der Konzern hatte damit gerechnet, als Generalunternehmer die Verantwortung f\u00fcr das 12,8 Milliarden Euro schwere F126-Projekt zu \u00fcbernehmen. Eine Streichung des Vorhabens w\u00fcrde nicht nur den Verlust eines Gro\u00dfauftrags bedeuten, sondern auch die maritimen Ambitionen des deutschen R\u00fcstungskonzerns sp\u00fcrbar d\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Abgeordnete der CDU hatten bereits zuvor gefordert, den Bau der F126-Fregatten vollst\u00e4ndig auszusetzen. Sie verwiesen auf erhebliche Terminverz\u00f6gerungen, unzureichende Koordination zwischen den Auftragnehmern und weiter steigende Kosten. Nach Informationen des <em>Spiegel<\/em> hat Pistorius inzwischen die Unterst\u00fctzung der Marinef\u00fchrung f\u00fcr seinen Kurs gewonnen. Eine endg\u00fcltige Entscheidung h\u00e4ngt jedoch weiterhin von den laufenden Gespr\u00e4chen zwischen Damen Naval, dem Bundesverteidigungsministerium und der NVL Group ab. Diese Verhandlungen sollen in den kommenden Monaten fortgesetzt werden.<\/p>\n<h2>Die Zeit dr\u00e4ngt<\/h2>\n<p>Die deutsche Marine steht unter erheblichem Zeitdruck. Viele ihrer vorhandenen Schiffe altern, w\u00e4hrend neue Einheiten noch lange nicht einsatzbereit sind. Selbst bei einem Wechsel zur Meko A-200 w\u00e4re die Auslieferung des ersten Schiffes voraussichtlich erst 2029 zu erwarten.<\/p>\n<p>Analysten warnen, ein Aus f\u00fcr das F126-Projekt k\u00f6nnte als einer der gr\u00f6\u00dften Fehlschl\u00e4ge in der Geschichte der deutschen R\u00fcstungsbeschaffung gelten. Die Modernisierung der deutschen Marine steht damit vor einer au\u00dfergew\u00f6hnlich schwierigen Bew\u00e4hrungsprobe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fregattenprojekt F126 steht vor dem Aus Berlin. Die Bundesregierung plant offenbar, ein 12,8 Milliarden Euro schweres Kriegsschiffprojekt zu stoppen. 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